KangaROOS | 30 Jahre SuperShoes

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Es lebe die natürliche Selektion: ein Schuh, ein Känguru und der Rest ist Sneakergeschichte. Die hatte schon die eine oder andere Mutation zuverzeichnen, als ein gewisser Bob Gammdaherkam und in den späten 70ern desletzten Jahrhunderts dem aufrecht gehenden Menschen klarmachte, in welchem entscheidenden Punkt man dem australischen Beuteltier nachsteht. Seitdem gibt es den Schuh mit der Tasche –  eine modifizierte Adaption in der Evolution des Sneakers, an der auch Darwin sicher seinen Spaß gehabt hätte. Gespannt betrachten wir hier einige (r)evolutionäre Highlights der Labelhistory: KangaROOS feiert seinen 30. und lässt seine wohlbehütete Überraschungskollektion aus dem Beutel. Doch vorweg ein bisschen History Repeating.

Es begann alles relativ pragmatisch, als Bob Gamm, seines Zeichens Architekt, passionierter Jogger und Basketballer, 1979 das US-Label KangaROOS gründete. Wie viele andere Lauffreunde war er genervt von der Frage „wohin mit dem Haustürschlüssel?“ und ließ sich für das allererste Modell, der superleichte Laufschuh ROOS Combat, zur Lösung mit der kleinen Tasche inspirieren. Diese sollte von nun an alle Designs folgender Modelle zieren und auch das Corporate Design des Labels prägen. Noch im selben Jahr gewann Laufkoryphäe Henry William Rodgers aka Bill Rodgers mit seinen Combats den Boston City Marathon und toppte die eigene Bestzeit und gleichzeitig den amerikanischen Rekord mit unglaublichen 2:09:27.

Im Gegensatz zu anderen Logo-Labeltierchen namhafter Sneakerbrands ist das Känguru ein sympathischer, wenig aggressiver, wenn nicht sogar niiiiiedlicher Zeitgenosse. Der Schuh mit Gimmick kommt jedem auch nur latent basketballaffinen 80s Kid als „KangaROOS – SuperShoes!“ in Erinnerung, der sich vom Performanceschuh in diversen Sportresorts zum fashionable Straßenschuh mauserte. KangaROOS machte anfangs irgendwie einige Dinge anders als die Konkurrenz: im Gegensatz zu Mitbewerbern aus der Lauf- und Basketballschuhszene feuerte KangaROOS keine dicken Budgets in den Werbeofen. Stattdessen setzte die Marke damals innovativ und geschickt auf die Ausstattung von Testimonials und erfolgreichen Größen populärer Sportarten – heute gehört genau das standardmäßig zum Marketing-Repertoire. KangaROOS baute damit eine ganz eigene Hall of  Fame mit ROOS-tragenden Helden der damaligen Zeit auf.

Gerade einmal ein Jahr verging von der Idee zur Realisierung und schließlich bis zum Hype: 1980 verkaufte sich der Combat in den USA unglaubliche 700.000 Mal pro Monat. Gramm profitierte beim erfolgreichen Abverkauf der Laufschuhe von der Euphorie der weltweiten Joggingwelle und wurde zu diesem Zeitpunkt überraschend Inhaber der am schnellsten wachsenden Firma der USA. Und gleichzeitig bescherte er zigtausend Joggern (schwitz-)freie Hände.

Und während sich die Welt weiter im Joggingfieber erhitzte, setzte sich der Beute(l)zug von KangaROOS 1983 im Basketball fort: der legendäre ROOS Sky Walker eroberte die NBA, ein Klassiker unter den Basketball Boots. Mit Ankle Strap, farbiger Außensohle und selbstverständlich mit Tasche, verhalf einer seiner prominentesten Träger, NBA-Legende Clyde „The Glide“ Drexler, dem Hi-Top zur Popularität über die Sportarenen hinaus und machte ihn zum Must-Have der 80er Jahre Street Couture. Drexler holte als Teamplayer des 92er Dream-Teams bei den Olympischen Spielen in Barcelona Gold und darf sich seit 1996 zu den 50 besten NBA-Spielern aller Zeiten zählen.

Gamm sah sich nach fünf Jahren „Original Shoes with Pockets“ von der Tatsache konfrontiert, dass besonders der Laufschuhmarkt hart umkämpft war. Er wollte das Image aufpolieren und ROOS vom Mainstream Gimmick-Schuh zum konkurrenzfähigen Profilaufschuh wandeln. Er startete den Versuch, sich zwischen Air, Torsion, Disc, Pod, Pump, Kinetic, Wedge, Gel, Hydroflow zu etablieren und holte sich dafür Verstärkung in Form des ehemaligen Nike-Designers Ray Tonkel. Es entstand Dynacoil, ein patentiertes und von der NASA getestetes Energierecycling- und Dämpfungssystem für die Sohle. Das später von diversen Mitbewerbern übernommene Konzept schaffte es, sich in der ersten Liga innovativer Laufschuhsysteme zu etablieren. Als Irgendwie-Alleskönner produzierte KangaROOS  also Schuhe im Laufsport, Basketball und Baseball wie auch im Hockey, Tennis und in der Leichtathletik. Im Football entstand eine besondere und bis heute anhaltende Freundschaft zwischen Känguru und Bär: Als die Chicago Bears 1986 das erste und einzige Mal den Superbowl XX gewannen, waren es vor allem William „The Fridge“ Perry und Walter Payton, die den ROOS Bear Lo und Bear Hi trugen.

Wenn auch nicht ganz so erfolgreich wie die Chicago Bears in den USA, so punkteten kurze Zeit später einige junge Pfälzer im weit entfernten Deutschland: Das Basketballteam des TSV Speyer von Coach Günter Glasauer stieg 1988/89 von der Regionalliga in die 2. Bundesliga auf und bekam das erste Teamsponsoring von KangaROOS – ein absolutes Highlight in der noch jungen, deutschen Basketballgeschichte. Ausgestattet mit Trikots und den ROOS Slam Dunks (kombiniert mit heißen SuperShorts und den besten denkbaren (Gesichts-)Frisuren, wurden sie zu dieser Zeit wie kleine Stars gefeiert.

Heute feiert KangaROOS den einstigen Football Superstar Payton mit dem re-issued ROOS Sweetness im Rahmen der jetzt erscheinenden, limitierten Jubiläumskollektionen Heritage Lines. Und auch die ehemaligen Pfälzer Basketballidole können sich über eine Neuauflage ihres ersten gesponserten Slam Dunks freuen. Als wären sie nie wirklich weg gewesen, präsentiert KangaROOS 2009 sämtliche ihrer populärsten Modelle der 80er in spannenden Neuauflagen: Über 30 Designs wie Combat, Trap, Suede, Game, Sky Walker, Dazzle oder Revenge bekommen mit neuen und ursprünglichen Farbkombos einen freshen Anstrich verpasst. Damit würdigt KangaROOS seine unvergessenen Helden wie auch den wichtigsten Teil der Unternehmensgeschichte.„Ich glaube, die Zeit ist reif dafür. Der Markt braucht Neues, aber auch gutes Altes!“ erklärt Bernd Hummel. Er ist der größte Lizenznehmer von KangaROOS und vertreibt die SuperShoes in Deutschland sowie in 20 weiteren Ländern. „1981 habe ich KangaROOS mit einem kleinen Messestand auf der New York Shoe Show entdeckt: ‚Introducing the first Athletic Shoes with Pockets!‘“ Seitdem steuert er aus dem beschaulichen, ebenfalls pfälzischen, Pirmasens die hoppelnde Sneakerherde europaweit und verkauft heute über 2 Millionen Paar Schuhe pro Jahr.

Auch die Core-Sneakerszene ist dabei, KangaROOS wieder verstärkt für sich zu entdecken. Eine Annäherung mit Sammlernerds, Turnschuhdinosauriern und deren skeptischen Nachfahren könnte es nämlich auf der Sneakermesse SNEAKERNESS am 10. Oktober 2009 in Wien geben: Hier launcht KangaROOS ein auf 50 Stück limitiertes und mit Sneakerness-Logo gelabeltes ROOS Modell. „Mit den Heritage Lines antworten wir auf eine große internationale Nachfrage nach ursprünglichen Designs der Marke. Wir werden diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen und auch mit Neuentwicklungen von Sneakern ergänzen“, antwortet Hummel auf die Frage nach dem Jetzt und Bald.

„Just don’t call it a Comeback!“ heißt das Motto, das sich neben Michael Schuhmacher und LL Cool J auch KangaROOS auf die Fahne geschrieben hat und das eigentlich nur bedeuten kann, dass es weiter nach vorne geht: Adaption und Modifikation – ganz im Sinne der Sneaker Evolution.

www.kangaroos.de

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